Verborgene Jugendstil-Malereien im Treppenhaus des Instituts für Kirchenmusik in Berlin rekonstruiert

Nach der Restaurierung 05.2014, 1.OGMitten in Berlin, unweit des Ernst-Reuter-Platzes, umgeben von den modernen Neubauten der Technischen Universität und der Hochschule der Künste (UdK) findet man ein Jugendstil-Gebäude im neoromanischen Stil. Das markante rote Sandstein-Gebäude ist schon von Weitem wegen seines charakteristischen Turms zu erkennen, das ihm auch den Namen „Burg“ eingebracht hat. Genutzt wird das Haus in der Hardenbergstraße 41 von der Fakultät Musik der Universität der Künste mit dem Institut für Kirchenmusik und dem Staats- und Domchor Berlin.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in den Jahren 1902/1903 von den Architekten A. Adams und P. Mebes gebaut. Es wurde während des 2. Weltkrieges beschädigt und konnte damals aus Kostengründen nur einfach instandgesetzt werden. Die filigranen Wandmalereien im Innenbereich wurden mit weißer Farbe überstrichen. Da das Gebäude jahrelang nicht modernisiert wurde, sollte es 2012 einen neuen Anstrich erhalten. Dabei entdeckte man im 1. Obergeschoss unter einer dicken Farbschicht Wandmalereien und  Ornamente. Nach diesem unerwarteten Fund wurde noch im selben Jahr eine restauratorische Untersuchung des Eingangsbereiches und Treppenhauses durchgeführt, um die ursprüngliche Farbgestaltung an den Decken und Wänden herauszufinden. Bei der Abtreppung der einzelnen Farbschichten (Farbstratigrafie) wurde die zeitliche Abfolge der einzelnen Farbfassungen und sogar die erste Farbfassung des Innenbereichs aus dem Jahr 1903 ermittelt.

Hardenbergstarße 41 historisches Bild als Hilfe bei den  RekonstruktionenAußerdem lag ein historisches Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1903 vor. Die Arbeiten begannen mit einer Studie alter Unterlagen der Universität. Zuerst wurden die Malereien am Kreuztonnengewölbe freigelegt und gesäubert. In einigen Bereichen waren die Malereien noch so gut erhalten, dass nach der Säuberung nur einzelne Teile retuschiert werden mussten. Die große Herausforderung war, die ursprüngliche Farbgebung exakt zu treffen, so dass die Retuschen für den Betrachter nicht erkennbar sind. Als Ausgangsstoff nutzten die Restauratoren Farbtöne aus dem Diessner Diescolith- Sortiment, die sie perfekt an das vorgefundenen Original anglichen. Um den Charakter der rekonstruierten Deckenmalereien an das Alter des Gebäudes anzupassen, wurden diese Flächen mit einer feinen Patinalasur überzogen. Diese imitiert einen natürlichen Alterungseffekt.

Wandflächen und Türbögen wurden stilgerecht und analog zur Deckenfassung angepaßt. Um die Naturverbundenheit des damaligen Bauherrn nachzuempfinden, wurden aufwendig changierende Wandflächen angelegt. Zusammen mit der Diessner Produkttechnik entwickelten die Restauratoren eine spezielle Form der Sprenkeltechnik, die den hohen Ansprüchen gerecht wurde. Die Deckenflächen und Türbögen versah man mit typischen Jugendstil-Elementen wie Blumen, Fauna und Flora. Die dominierenden Farbtöne sind Grün, Lapislazuli, Ocker, ein helles Grau sowie ein bräunlicher Sandsteinton. Das Treppenhaus ist kaum wiederzuerkennen: Aus einem schlichten Treppenaufgang in Weiß ist eine farbenprächtige, repräsentative Jugendstil-Perle entstanden. Jetzt erst kann man nachempfinden, wie schön das Treppenhaus einst war.